Perimenopause & Karriere: Wie Frauen in Führungspositionen die Wechseljahre meistern

Portrait Anke Sinnigen

Von Dr. Judith Bildau

Die Perimenopause trifft viele Frauen genau dann, wenn sie beruflich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stehen. Verantwortung, Sichtbarkeit und Leistungsdruck sind hoch – und gleichzeitig beginnt für viele ein hormoneller Umbruch, über den noch immer zu wenig gesprochen wird.

Eine aktuelle qualitative Befragung von 64 Top-Managerinnen, Bürgermeisterinnen, Militär-Offizierinnen und Gründerinnen aus den USA, Großbritannien und Kanada zeigt eindrücklich: Die Wechseljahre sind für Frauen in Führungspositionen eine tiefgreifende Herausforderung. Die gute Nachricht: Sie können zugleich eine Phase persönlicher und beruflicher Entwicklung sein. Die Ergebnisse wurden in der Harvard Business Review veröffentlicht.


Wenn körperliche Symptome auf beruflichen Hochdruck treffen

Hitzewallungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder Brain Fog sind für viele Frauen in der Perimenopause tägliche Realität. Im anspruchsvollen beruflichen Alltag können diese Symptome massiv belasten – und am Selbstvertrauen rütteln.

Einige der befragten Frauen berichteten von Situationen, in denen sie während eines Meetings plötzlich stark schwitzten, Worte nicht fanden oder sich kaum konzentrieren konnten. Gleichzeitig bestand der Anspruch, jederzeit souverän, leistungsfähig und kontrolliert aufzutreten.

Von diesem Dilemma berichten mir auch viele Frauen in meiner ärztlichen Sprechstunde. Und dazu gibt es klare Zahlen: Die Meno-Support-Umfrage zeigt, dass belastende Wechseljahressymptome häufig dazu führen, dass Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren, Beförderungen ablehnen, berufliche Auszeiten nehmen oder sogar vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden.


Die Perimenopause als persönliche „Heldinnenreise“

Umso bestärkender sind die Ergebnisse der internationalen Befragung. Sie zeigen: Die Perimenopause muss kein berufliches Aus bedeuten – im Gegenteil. Die Forschenden beschreiben den Weg vieler Frauen als eine Art persönliche Heldinnenreise.

Die körperlichen und emotionalen Veränderungen zwangen die Frauen, sich grundlegende Fragen zu stellen:
Was passiert mit meinem Körper? Welche Unterstützung brauche ich wirklich? Und warum wird darüber so wenig gesprochen?

Natürlich stießen sie dabei auf Tabus, Fehlinformationen und eine oft unzureichende medizinische Versorgung. Doch statt sich damit abzufinden, begannen viele, aktiv Wissen zu sammeln, sich mit anderen auszutauschen und gezielt Unterstützung zu organisieren.

Für viele Frauen wurde genau dieser Prozess zum Ausgangspunkt einer neuen Form von Stärke, Klarheit und Selbstbewusstsein!


Tipp:

Wir klären auch in Unternehmen auf:

Ob Vortrag, Workshop oder E-Learning. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um für die Herausforderungen am Arbeitsplatz zu sensibilisieren und Frauen zu unterstützen!

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Fünf Strategien erfolgreicher Frauen in der Perimenopause

Aus den Interviews lassen sich fünf zentrale Strategien ableiten, die einen entscheidenden Unterschied machten:

1. Selbstvertretung und Selbstfürsorge
Die Frauen informierten sich aktiv über die Wechseljahre, suchten medizinischen Rat und begannen, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und klar zu kommunizieren.

2. Aufbau von Unterstützungsnetzwerken
Offene Gespräche mit Kolleg:innen, Freund:innen, Mentor:innen oder Gleichgesinnten halfen, Isolation zu überwinden und emotionale wie praktische Unterstützung zu erhalten.

3. Sinnfindung und Loslassen von sozialem Druck
Viele Frauen bewerteten Arbeit und Erfolg neu. Sie fragten sich, was wirklich wichtig ist, und lösten sich zunehmend von Erwartungen anderer.

4. Selbstvertrauen und neue Führungsqualitäten
Zahlreiche Befragte berichteten, dass ihre Führungsfähigkeiten durch diese Phase gereift sind. Empathie, aktives Zuhören und Reflexionsfähigkeit nahmen zu – Kompetenzen, die moderne Führung heute dringend braucht.

5. Verantwortung übernehmen – für andere Frauen
Viele nutzten ihre Position, um das Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz sichtbar zu machen, interne Veränderungen anzustoßen und Kolleginnen den Weg zu erleichtern.


Herausforderung – und Chance zugleich

Die Wechseljahre können belastend und teilweise extrem herausfordernd sein. Das möchte und darf man nicht beschönigen. Symptome der Perimenopause sind real und verdienen medizinische Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen dieser Frauen – und auch meine klinische Erfahrung: Die Perimenopause ist nicht nur eine körperliche Umbruchphase, sondern oft auch eine Zeit der Neuorientierung und Selbstermächtigung. Viele Frauen gehen gestärkt daraus hervor – mit mehr Klarheit, Selbstvertrauen und einer gereiften, kraftvollen Form von Führungsstärke.

Die Wechseljahre können ein Wendepunkt sein – auch im Beruf!


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Häufige Fragen zur Perimenopause bei Frauen in Führungspositionen (FAQ)

Was ist die Perimenopause?
Die Perimenopause ist die hormonelle Übergangsphase vor der letzten Regelblutung. Sie kann mehrere Jahre dauern und ist häufig von den Schwankungen von Östrogen und Progesteron geprägt.

Ab welchem Alter beginnt die Perimenopause?
Bei den meisten Frauen beginnt sie zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, manchmal auch früher. Das Auftreten ist individuell sehr unterschiedlich.

Welche Symptome sind in der Perimenopause besonders häufig?
Zu den häufigsten Beschwerden zählen Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, Brain Fog und Erschöpfung.

Warum sind die Wechseljahre im Berufsleben besonders belastend?
Weil die hormonellen Veränderungen oft mit einer Lebensphase hoher beruflicher Verantwortung zusammenfallen – und Symptome im Arbeitskontext schwer zu thematisieren sind.

Beeinflusst die Perimenopause die Führungsfähigkeit?
Kurzfristig können Symptome die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Langfristig berichten viele Frauen jedoch von gereiften Führungsqualitäten, mehr Empathie und innerer Klarheit.

Was können Frauen in Führungspositionen konkret tun?
Wichtig sind medizinische Abklärung, gute Information, Selbstfürsorge sowie der Aufbau von Unterstützungsnetzwerken – privat wie beruflich.

Welche Rolle spielt die Hormontherapie?
Eine individuell angepasste Hormontherapie kann bei bestimmten Symptomen hilfreich sein. Sie sollte immer ärztlich begleitet werden.

Warum sollten Unternehmen das Thema Wechseljahre ernst nehmen?
Weil Wechseljahresbeschwerden nachweislich Einfluss auf Leistungsfähigkeit, Bindung und Karriereentscheidungen haben – und gute Unterstützung Fachkräfte im Unternehmen hält.