Die Idee der Hormonersatztherapie (HRT) ist einfach: Wenn Hormone fehlen, führen wir sie dem Körper wieder zu. Seit den 1960er Jahren war das eine etablierte und wirksame Behandlung, um Beschwerden der Wechseljahre zu lindern. 2002 kam es jedoch zu einem drastischen Einbruch der Verschreibungen – denn die WHI-Studie schien damals ein leicht erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Thrombosen und Embolien zu zeigen.
Inzwischen zeigen neue Auswertungen, dass Teile der Ergebnisse falsch interpretiert wurden. Der wissenschaftliche Stand heute: Für mögliche Risiken ist neben der individuellen Gesundheit vor allem das Alter beim Start einer HRT entscheidend („Window of Opportunity“). Ideal ist ein Beginn innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause und/oder vor dem 60. Geburtstag. Wird die Therapie in diesem Zeitraum begonnen, überwiegen die Vorteile mögliche Risiken deutlich. Die individuelle Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt ist dabei essenziell.
Neben der erfolgreichen Behandlung typischer Wechseljahresbeschwerden gibt es Hinweise, dass eine HRT auch vor bestimmten Alterserkrankungen schützen kann – z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, Darmkrebs oder Diabetes. Entscheidend für die Therapieindikation bleiben aber immer vorhandene Beschwerden sowie deine persönliche gesundheitliche Situation.
Heute werden bevorzugt bioidentische Hormone eingesetzt, da sie als verträglicher und nebenwirkungsärmer gelten. Dennoch haben auch synthetische Hormone ihren Stellenwert – etwa bei starken Blutungen oder bei Androgenisierungserscheinungen.
Gut zu wissen: Die S3-Leitlinie für die Peri- und Postmenopause empfiehlt die HRT bei typischen Beschwerden der Wechseljahre!