Erfahrungen Wechseljahre: „Unsere Familienplanung war passé“

Portrait Anke Sinnigen

Steffi K. ist in den Wechseljahren. Sie ist 51 Jahre alt, verheiratet und arbeitet im Marketing einer Beratungsfirma in Hamburg. Privat ist ihr ein aktives Leben wichtig. Ihr Tag ist immer sehr ausgefüllt. Sie freut sich, wenn sie viel geschafft hat und geistig gefordert wird, wenn sie fit und aktiv ist. Ebenso wichtig ist ihr die Familie. Steffi ist stolze Tante von zwei Neffen und einer Nichte und außerdem ehrenamtliche Patin von zwei jungen Menschen, die sie seit 10 Jahren begleitet.


Liebe Steffi, wir freuen uns, dass du mit uns über deine Erfahrungen mit den Wechseljahren sprechen möchtest. Seit wann bist du in den Wechseljahren bzw. wann haben die hormonellen Veränderungen bei dir begonnen?
Ehrlich gesagt ist das eine der traumatischsten Fragen, die ich zu beantworten habe, weil meine Wechseljahre schon sehr früh eingesetzt haben – zu einem Zeitpunkt, als ich eigentlich noch schwanger werden wollte und es plötzlich hieß: Frühzeitiges Klimakterium. Das war mit 39 Jahren. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.


Wie ging es dir damit und wie geht es dir heute?
Damals war es ein Schock und es hat auch eine ganze Weile gedauert, bis ich das für mich akzeptieren konnte. Es war am 11. Dezember 2009. Mein Mann und ich hatten einen Termin in der Kinderwunschklinik. Der Arzt sagte, dass mein Anti-Müller-Hormon-Wert (AMH) zu gering war, als dass ich noch schwanger werden könnte. Das Eierlager war sozusagen „Out of Stock“. Von jetzt auf gleich war damit die Familienplanung passe – und ich war ganz plötzlich in den Wechseljahren. Das an sich war gar nicht so dramatisch, denn die Nachricht über die Wechseljahre wurde überlagert von der Hiobs-Botschaft, keine Kinder mehr zu bekommen.
Ein knappes Jahr später habe ich eine Patenschaft für zwei Patenkinder einer Familie übergenommen, die Hilfe brauchte. Die Patenschaft hat mir geholfen, meinen unerfüllten Kinderwunsch auf andere Weise zu leben.


Welche Beschwerden hattest du, wie sehr haben sie sich eingeschränkt und wobei?

So stark damals der seelische Schmerz war, so gering waren meine körperlichen Beschwerden. Vielleicht liegt das daran, dass ich immer sehr aktiv war und bin und daher einen guten Ausgleich habe. Rein körperlich habe ich mittlerweile leichte Symptome wie Hitzewallungen. Ich habe auch etwas zugenommen und schlafe etwas schlechter als früher. Aber hat das immer mit den Wechseljahren zu tun? Ich denke, das mit dem Schlaf hängt auch häufig mit Stress und Medienkonsum vor dem Einschlafen zusammen.

Hat dich deine Ärzt:in beraten? Hast du dich dort gut aufgehoben gefühlt?
Die Wechseljahre waren bei meiner Frauenärztin damals kein Thema, aber ich hatte auch keine Fragen, da ich mental noch so weit weg davon war. Körperlich hatte ich auch keine Beschwerden. Ich konnte das Thema also allein wuppen – und wollte auch keine Pillen nehmen.


Siehst du das heute anders? Würdest du zum Beispiel Hormone nehmen, wenn du starke Beschwerden hättest?
Naja, das kommt darauf an. Wenn ich am Tag drei Hitzeschübe hätte, schweißüberströmt in Meetings sitzen müsste oder meine Wechseljahre meinen Alltag wirklich sehr belasten würden, würde ich auch Hormone oder andere Mittel nehmen. Vorher würde ich mich aber beraten lassen, was es noch für Möglichkeiten gibt: TCM, Akupunktur oder pflanzliche Mittel würden mich in erster Linie interessieren. Doch wenn das nicht die gewünschte Wirkung bringt, würde ich auch Hormone nehmen.


Haben dich die Wechseljahre verändert? Wenn ja, wie zufrieden bist du heute mit dir?
Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade sehr verändere. Das hat generell mit dem Alter zu tun, das immer sichtlicher wie ein großer Fleck zutage tritt. Ich glaube, das Bewusstsein, dass man in den Wechseljahren ist, läutet definitiv das Ende der Jugend ein. Man ist einfach nicht mehr jung. Das muss man auch erst einmal verarbeiten.
Auf der anderen Seite sind die Wechseljahre auch eine Art Befreiung. Ich habe keine Regel mehr und somit auch nicht diesen monatlichen Rhythmus, der den Körper bestimmt. Und ja, ich bin heute zufriedener mit mir, weil meine Toleranz mit mir, meinen eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlern größer geworden ist. Ich bin zum Beispiel gelassener als früher und in gewissem Maße auch selbstbewusster, weil ich meine einzigartige Geschichte mit mir habe und kenne.
Es gibt bestimmte Lebensabschnitte, die zu Ende gehen. Dafür fangen andere neu an. Darauf bin ich neugierig. Ich kann meinen Körper wieder neu entdecken. Ihn zu beobachten, wie er sich verändert und zuzusehen, dass ich mit mir und meinem Körper im Einklang bin, das ist die eigentliche Herausforderung.


Hat auch das Thema Gesundheit heute eine größere Rolle?
Ja, auf jeden Fall! Raubbau wie mit dreißig wäre heute für mich kein Thema mehr. Ich achte auch meine Ernährung, faste einmal im Jahr, nehme mir Zeit für meine Hobbies. Beispielsweise lerne ich seit vier Jahren ein Instrument und wenn ich es schaffe, siegt Yoga im morgendlichen Wettbewerb mit der Nachrichtenlektüre. Ich habe meinen Fleischkonsum sehr heruntergefahren und mit dem Rauchen aufgehört. Ja, ich lebe definitiv heute viel gesünder.


Was ist dir in Bezug auf deine Erfahrungen der Wechseljahre noch wichtig?
Ich finde es wichtig, dass wir darüber reden. Egal, ob sie wie bei mir mit Ende dreißig oder mit Anfang fünfzig beginnen: Wir Frauen müssen da alle durch und es gibt immer ein Morgen. Das soll jetzt nicht kitschig klingen. Die Wechseljahre gehören nun mal zu unserem Leben und das Leben geht weiter. Wenn wir uns austauschen, und uns aktiv Hilfe holen, macht es das leichter. Diese Tabuisierung, die es lange gab und teilweise immer noch gibt, tut einfach nicht Not.

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