Keine Lobby für berufstätige Frauen in den Wechseljahren

Portrait Anke Sinnigen

Frauen müssen im Arbeitsleben besondere Herausforderungen stemmen. Schwangerschaften, Kinderbetreuung, Teilzeittätigkeiten bedeuten trotz verschiedener Unterstützungsangebote nach wie vor berufliche Einschränkungen und Nachteile. Sie sind ein Grund, warum Frauen einen schwierigeren Weg in die Führungsebenen der Unternehmen haben.

Wechseljahre treffen Frauen auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karrieren

Auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karrieren sind Frauen wie Männer meist Mitte/Ende 40 oder Anfang 50. Aber in genau diesem Zeitfenster trifft Frauen eine weitere gesundheitliche Herausforderung, die sie erneut beruflich zurückwirft. Es ist nicht mehr und nicht weniger als eines der größten verbliebenen Tabus in der Arbeitswelt, aber auch in unserer Gesellschaft: Die Wechseljahre

Diese körperliche Umstellung wird gern als Achterbahnfahrt der Hormone beschrieben. Die Wechseljahre beginnen meist bereits mit Anfang 40, die offizielle Menopause (also das komplette Ausbleiben der Menstruation für mindestens ein Jahr) findet dann mit etwa 51 statt. Damit sind die gesundheitlichen Herausforderungen aber leider nicht vorbei. Der weibliche Körper braucht gut und gern noch mal etwa fünf bis zehn Jahre, bis er sich an die Umstellung gewöhnt hat.

Zwei Drittel der Frauen haben moderate bis starke Beschwerden in den Wechseljahren

Zu den typischen Symptomen, von denen Frauen betroffen sind, zählen Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, urogenitale Probleme und vieles mehr. Rund 34 Symptome reihen sich in die Liste der Wechseljahresbeschwerden ein, die in jeder Kombination und in unterschiedlichen Schweregraden auftreten können. Nicht jede Frau leidet gleichermaßen darunter. Aber ein Drittel der 14,6 Millionen Frauen in Deutschland im Alter von 40 bis 64 Jahren haben sehr starke Wechseljahresbeschwerden. Ein weiteres Drittel moderate und das letzte Drittel so gut wie keine Beschwerden. Wenn wir berücksichtigen, dass aktuell etwa zwei Drittel (76,9%) der Frauen in Deutschland berufstätig ist, sprechen wir über eine Gruppe von bis zu 7,5 Millionen Frauen in Deutschland, die im Job von den Symptomen betroffen sind – und für die es bisher keine Lobby gibt.

Bis zu 42% der Frauen in den Wechseljahren überlegen, beruflich kürzer zu treten

Gerade die Schlaflosigkeit, Hitzewallungen und Konzentrationsprobleme sind in der Arbeitswelt große Probleme, haben sie doch unmittelbaren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Frauen. Eine der Folgen, die sowohl für Frauen als auch für die Unternehmen gravierend ist, dass eine von vier Frauen während der Wechseljahre ihre Arbeitszeit reduzieren oder die Berufstätigkeit ganz aufgeben will. Diese Zahlen könnten aber noch höher sein: Laut einer aktuellen Umfrage aus UK überlegen rund 42% der betroffenen Frauen, beruflich kürzer zu treten. Für die DACH-Region liegen hierzu bislang keine Umfragen vor.

Dieser berufliche Rückschritt aus gesundheitlichen Gründen kann nicht im Interesse der Frauen sein, da sie damit u.a. ihre finanzielle Absicherung im Alter gefährden. Aber auch für die Unternehmen ist das vorzeitige Ausscheiden ein großes Problem, da sie wertvolle Mitarbeiterinnen verlieren.

Unternehmen können und sollten berufstätige Frauen in den Wechseljahren besser unterstützen

Was können Unternehmen tun, um Frauen besser zu unterstützen? Zunächst muss offen über die Wechseljahre geredet werden. Bislang finden diese persönlichen Themen im Business-Kontext aber keinen Platz. Es ist eher das Gegenteil der Fall: so berichten Frauen von Diskriminierungen am Arbeitsplatz, die sie aufgrund ihrer Symptome erfahren. Dieser Umgang macht es Frauen umso schwerer, ihre gesundheitlichen Herausforderungen offen anzusprechen. Denn, wer verweist gern freiwillig auf eine verminderte Leistungsfähigkeit?

Für berufstätige Frauen in den Wechseljahren ist das oft ein großes Problem. Es ist vielen peinlich, die Beschwerden und ihre Auswirkungen beispielsweise gegenüber den Vorgesetzten oder KollegInnen anzusprechen, mit der Folge, dass sie sich oft zurückziehen. Daher ist es wichtig, dass die Unternehmen die Wechseljahre selbst zum Thema machen, beispielsweise als Bestandteil von Compliance-Schulungen, aber auch als neues Bildungsangebot für Mitarbeiterinnen – und natürlich auch für die Mitarbeiter: welche (männliche) Führungskraft hat dazu je ein spezifisches Training erhalten und weiß, wie sie Frauen in dieser Situation besonders gut unterstützen kann?

Enttabuisierung der Wechseljahre muss auch in den Unternehmen stattfinden

Weitere konkrete Maßnahmen, mit denen Unternehmen Frauen bei den gesundheitlichen Herausforderungen helfen können, sind flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit im Home office zu arbeiten (die Corona-Pandemie hat hinlänglich gezeigt, wie gut das funktioniert). Darüber hinaus sind Frauen in den Wechseljahren dankbar für Rückzugsmöglichkeiten im Büro und geeignete Umkleideräume mit Waschmöglichkeiten sowie Zugang zu Hygieneartikeln.

Das Wichtigste aber ist und bleibt der offene Umgang mit den Wechseljahren: Das Ende der Tabuisierung und der respektvolle Umgang mit Frauen, die für ihr Unternehmen viel geleistet haben. Die aber, um auch in Zukunft am Unternehmenserfolg mitwirken zu können, in den Wechseljahren mehr Unterstützung ihres Arbeitgebers erfahren sollten.

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