Auf der Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft wurden wieder neue Studien und Best Practices rund um die Themen Wechseljahre, Hormontherapie (HRT), Knochengesundheit und vieles mehr vorgestellt. Hier findest du die wichtigsten Ergebnisse kompakt und übersichtlich.
1. Wechseljahre und HNO-Gesundheit: Hörvermögen, Nase und Atemwege
Ein aktuelles Literatur-Review zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen Postmenopause und Veränderungen im HNO-Bereich:
- Postmenopausale Frauen haben häufiger Einschränkungen im räumlichen Hörvermögen.
- Sie hören in höheren Frequenzen signifikant schlechter – auch messbar in audiometrischen Tests.
- Nasale und sinonasale Symptome verschlechtern sich häufig in der Perimenopause und Postmenopause.
- Der Übergang in die Menopause ist mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für schlafbezogene Atemstörungen verbunden.
Diese Erkenntnisse unterstreichen, dass die HNO-Gesundheit ein bisher unterschätzter Bereich in der Forschung über die Wechseljahre ist.
2. Endokrine Disruptoren: Hormonschädliche Stoffe im Alltag
In vielen Körperpflegeprodukten finden sich Substanzen, die als endokrine Disruptoren gelten – darunter:
- Parabene
- Phthalate
Diese Stoffe können die Hormonfunktion beeinflussen und sollten möglichst gemieden werden, das betrifft beispielsweise:
- Körperlotionen
- Haarsprays
- Kosmetika
- Menstruationshygieneprodukten mit unklarer Inhaltsstoffangabe
Studien zeigen, dass endokrine Disruptoren mit einer vorzeitigen Menopause in Verbindung stehen können – was wiederum Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochendichte und Stoffwechsel erhöht.
3. Neues Medikament gegen Hitzewallungen: Elinzanetant (Lynkuet)
Auf der Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft wurde auch das neue nicht-hormonelle Medikament Lynkuet (Elinzanetant) vorgestellt. Die Zulassungsstudien zeigen:
- Verringerung von Häufigkeit und Schwere vasomotorischer Symptome (z. B. Hitzewallungen)
- Verbesserung der Schlafqualität
- Steigerung der Lebensqualität
- Wirksam auch bei Brustkrebspatientinnen unter Antihormontherapie
Lynkuet wurde jetzt auch in der EU zugelassen und könnte neben (Veoza) Fezolinetant eine wichtige Option für Frauen werden, die keine Hormontherapie anwenden können oder möchten.
4. Herz-Kreislauf-Gesundheit: Reproduktionsgeschichte als Risikofaktor
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache von Frauen. Obwohl die Sterblichkeit sinkt, bleibt die Rate der koronaren Herzkrankheiten bei Frauen unter 55 Jahren konstant. Dr. Jasmin Asberger stellte in ihrem Vortrag heraus, dass die Reproduktionsgeschichte einer Frau stärker in der kardiovaskulären Risikobewertung berücksichtigt werden sollte.
- Risikoerhöhende Faktoren sind u. a.:
- vorzeitige Menopause
- frühe Menopause
- ausgeprägte vasomotorische Beschwerden
Sprich mit deiner Gynäkolog:in über Herausforderungen während der Schwangerschaft, und ob diese einen Einfluss auf deine Wechseljahre und Altersgesundheit haben können!
5. Knochendichte, Sport und HRT: Neue Daten zur Osteoporose-Prävention
Eine aktuelle Literaturanalyse bringt interessante Details zur Kombination von HRT und Bewegung bzw. Kraftsport:
- Eine HRT senkt das Hüftfrakturrisiko um 33 % (vs. Placebo).
- Eine kombinierte HRT (Östrogen + Gestagen) steigert die Knochendichte der Lendenwirbelsäule stärker als eine reine Östrogentherapie.
- Krafttraining und Stoßbelastung verbessern die Knochendichte deutlich; HIIT ist an der Lendenwirbelsäule besonders wirksam.
- HRT und Sport wirken stärker als Sport allein.
- Intensives, regelmäßiges Krafttraining kann den Knochenverlust ähnlich effektiv verhindern wie eine HRT.
- Die nachhaltigsten Effekte auf den Knochen zeigte eine langfristige, niedrig dosierte HRT.
Diese Daten unterstreichen, wie wichtig Krafttraining als Teil der Osteoporoseprävention ist – unabhängig davon, ob eine HRT genutzt wird.
6. Immunsystem, COVID-19 und die Rolle von Östradiol
Während der COVID-19-Pandemie hatten nichtmenopausale Frauen meist mildere Krankheitsverläufe als gleichaltrige Männer. Postmenopausale Frauen verloren diesen Vorteil. Der Grund ist vermutlich, dass Östradiol immunmodulierend wirkt. Das könnte die stärkere Immunantwort jüngerer Frauen erklären, darauf wies Prof. Dr. Christian Mang hin. Aus seiner Sicht
- kann eine HRT ähnliche immunmodulierende Effekte haben.
- Und die HRT sei nicht nur ein wirksames Mittel gegen Hitzewallungen, sondern habe auch positive Effekte auf Herz, Gefäße, Knochen und möglicherweise auch auf das Immunsystem im Alter.
Die häufigsten Mythen zur Perimenopause – wissenschaftlich eingeordnet
Die Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft, Dr. Katrin Schaudig, klärte in der Pressekonferenz vor der Tagung über fünf verbreitete Mythen der Wechseljahre auf, die ich hier gern mit dir teile:
Mythos 1: „Keine Wechseljahre mit Blutung“
Falsch – hormonelle Schwankungen führen oft zu Beschwerden, obwohl noch Blutungen auftreten.
Mythos 2: „Progesteronmangel verursacht die Symptome“
Tatsächlich entstehen viele Beschwerden durch das Auf und Ab der Hormone und der Steuerungsachsen, nicht durch einen isolierten Mangel.
Mythos 3: „Verhütung ist unnötig“
Solange Blutungen auftreten, ist ein Eisprung möglich. Die WHO-Empfehlung zum sicheren Absetzen:
- unter 50 Jahren: 2 Jahre Blutungsfreiheit
- über 50 Jahren: 1 Jahr Blutungsfreiheit
Mythos 4: „Die Pille verzögert die Wechseljahre“
Die Pille kann Symptome lindern – sie verschiebt aber den Beginn der Wechseljahre nicht.
Mythos 5: „Hormone verursachen Krebs“
Diese Aussage ist zu pauschal, und moderne Therapien unterscheiden sich klar im Risiko.
Progesteron und Dydrogesteron gelten risikoärmer als ältere synthetische Gestagene.
Mehr Wissen für deine Gesundheit in den Wechseljahren
Wenn du fundierte, verständliche Informationen über Therapieoptionen und Prävention suchst, dann trag dich gern in meinen Newsletter ein.
>> Jetzt anmelden: Newsletter
>> Mehr Informationen über die Wechseljahre findest du auch in meinem Buch “Wechseljahre. Das Upgrade.”
FAQ: Wechseljahre, HRT und aktuellen Studien
1. Welche Veränderungen im HNO-Bereich treten in den Wechseljahren auf?
In der Peri- und Postmenopause können sich Hörvermögen, Nasenschleimhäute und Atemwege verändern. Viele Frauen hören höhere Frequenzen schlechter, reagieren empfindlicher auf Nasenreizungen oder entwickeln häufiger schlafbezogene Atemstörungen.
2. Was sind endokrine Disruptoren – und warum sollte ich sie meiden?
Endokrine Disruptoren sind Stoffe, die den Hormonhaushalt beeinflussen können. Sie finden sich u. a. in einigen Körperpflegeprodukten, Kosmetika und Kunststoffen. Studien zeigen Zusammenhänge mit einer früheren Menopause, diese hat Folgen für Herz, Knochen und Stoffwechsel.
3. Welche neuen Medikamente gibt es gegen Hitzewallungen?
Elinzanetant (Lynkuet) ist ein neues nicht-hormonelles Medikament, das Hitzewallungen, Schlafstörungen und Lebensqualität nachweislich verbessert. Es ist auch für Frauen geeignet, die keine HRT einsetzen können – z. B. Brustkrebspatientinnen unter Antihormontherapie. Auch Fezolinetant (Veoza) ist eine Option.
4. Wie beeinflusst die Reproduktionsgeschichte das Herz-Kreislauf-Risiko?
Ein früher oder vorzeitiger Menopausebeginn sowie starke Hitzewallungen gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch Komplikationen in früheren Schwangerschaften können Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben und sollten mit der Ärzt:in besprochen werden.
5. Was ist effektiver für starke Knochen – HRT oder Krafttraining?
Beides wirkt knochenschützend. Eine HRT kann das Hüftfrakturrisiko senken und die Knochendichte erhöhen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass intensives Krafttraining – besonders mit Stoßbelastung oder HIIT – den Knochenverlust ebenfalls deutlich reduziert. Die Kombination wirkt am stärksten.
6. Hat eine HRT Einfluss auf das Immunsystem?
Östradiol wirkt immunmodulierend. Expert:innen gehen davon aus, dass eine HRT ähnliche Effekte haben könnte und möglicherweise zu einer stärkeren Immunantwort beiträgt – das wird aktuell weiter erforscht.
7. Muss ich in den Wechseljahren noch verhüten?
Ja – solange noch Blutungen auftreten. Laut WHO:
– unter 50 Jahren ? 2 Jahre Blutungsfreiheit
– über 50 Jahren ? 1 Jahr Blutungsfreiheit
Erst dann gilt die Fruchtbarkeit als sicher beendet.
8. Erhöht eine HRT das Krebsrisiko?
Diese Aussage ist zu pauschal. Moderne HRT differenziert stark zwischen verschiedenen Wirkstoffen. Bioidentisches Progesteron und Dydrogesteron gelten risikoärmer als ältere synthetische Gestagene. Die individuelle Risikoabwägung erfolgt immer gemeinsam mit der Ärzt:in.
